Samstag, 11. Juni 2016

[Rezension] UGLY



- eBook -

Autorin: Margaret McHeyzer

Erscheinungsdatum:

ISBN-13: 978-0994354747
Seitenzahl: 322 Seiten
Reihe: nein

Preis: 3,54€ ebook
          14, 21€ Taschenbuch

If I were dead, I wouldn't be able to see. If I were dead, I wouldn't be able to feel. If I were dead, he'd never raise his hand to me again. If I were dead, his words wouldn't cut as deep as they do. If I were dead, I'd be beautiful and I wouldn't be so...ugly. I'm not dead...but I wish I was.



Oft bin ich beim Lesen nah am Wasser gebaut und muss, sofern mich eine Geschichte eben berührt, schon mal das ein oder andere Tränchen verdrücken. Was allerdings "UGLY" mit mir angestellt hat, habe ich bisher nur sehr sehr selten erlebt.
Das erste Mal flossen die Tränen auf Seite 16 und ab da mindestens zweimal in jedem Kapitel. Und das bis zum Ende.

Das Schicksal der Protagonistin hat mich absolut mitgenommen und so flossen die Tränen nicht nur aus Trauer um dieses junge Leben das die schrecklichsten Dinge erleben muss, sondern auch aus Wut, aus Hilflosigkeit, weil ich nicht einfach ins Buch kriechen und ihr helfen konnte, aber sie flossen auch aus Freude.

Aber am besten von vorn.

In UGLY geht es um die 17-jährige Lily, deren Leben ein einziges schreckliches Martyrium ist. Ihr Vater, mit dem sie zusammenlebt, wird nicht müde ihr immer wieder vor Augen zu halten, wie schlecht, wie eklig, wie dumm sie ist. Er schlägt und beschimpft sie. Die Situation ist so verfahren, das sich Lily nichts sehnlicher wünscht als den Tod.
Doch dann begegnet sie Trent. Zunächst bleibt sie auf Abstand, doch immer wieder wartet er an der Bushaltestelle, sagt ihr wie schön sie ist, umgarnt sie und wird schließlich zu ihrem Retter aus einer prekären Situation.
Lily wähnt sich nach 17 Jahren Leid und Elend endlich in Sicherheit und ahnt nicht, das es noch schlimmer kommen könnte.

Ich würde an dieser Stelle gerne viel mehr ins Detail gehen, aber das kann ich nicht ohne Euch zu spoilern, deshalb belasse ich es bei dieser kurzen Zusammenfassung.

Was ich Euch jedoch sagen kann, ist, das dieses Buch inhaltlich und thematisch so dermaßen krass ist, das ich an einigen Stellen fast aufgehört hätte zu lesen, einfach deshalb weil ich all diese schrecklichen Dinge die dieses Mädchen erleiden muss und für die es keine Worte mehr gibt, nicht mehr ertragen konnte. 

Margaret McHeyzer bringt hier Themen wie Häusliche Gewalt, Unterdrückung, Missbrauch ins Spiel und rückt diese in den Fokus. Dabei schont sie ihre Leser nicht eine Sekunde, denn sie beschönigt hier nichts und zeigt uns das nackte, dunkle, brutale und hässliche Gesicht der psychischen und physischen Gewalt. Mich hat das teilweise wirklich ziemlich schockiert, vorallem weil ich nach Lesen des Klappentextes auf so etwas überhaupt nicht vorbereitet war. ABER ich fand gerade die Art das sie eben nichts ausschmückt oder rosarot malt auch unglaublich gut, denn hier geht es um Themen die auf dieser Welt so präsent sind und die viel mehr Aufmerksamkeit und Gehör verdienen !!! Dieses Buch ist auch ein Statement, denn Lilys Geschichte sagt ganz klar: "Hey ! Schau nicht weg, wenn dir ein seltsames Verhalten an einer Frau ( oder auch an einem Mann ) auffällt ! Achte auf die Zeichen und biete deine Hilfe an."

Und obwohl ich gerade das echt richtig gut fand, ging es mir in der ersten Hälfte wirklich schlecht beim Lesen. Zum Glück änderte sich das in der zweiten Hälfte. Denn diese zeigt Lilys Erwachen. Sie erkennt plötzlich ihre Situation, sieht wovor sie so lange die Augen verschlossen hat und weiß, sie muss sich endlich befreien und wehren. Dabei mutiert sie aber nicht mal eben von der introvertierten, verschreckten jungen Frau zum Superweib, sondern sie vollzieht eine authentische und nachvollziehbare Wandlung. Ihre Schritte in ein freies, normales Leben sind schwer und werden von steter Angst begleitet. Doch mit jedem neuen Tag findet sie mehr zu sich selbst, gewinnt an Selbstvertrauen und lässt Hilfe von außen zu.

Diese Wandlung hat mich fasziniert und ich habe mit jedem Schritt den sie in ein besseres Leben gemacht hat, total mitgefiebert.

Lily ist ein Charakter der mir wirklich absolut nahe ging und der mich so schnell sicher nicht mehr loslassen wird. Immer wieder hatte ich das Bedürfnis ihr in brenzligen Situationen zuzurufen das sie verschwinden soll, es gab aber auch Momente in denen ich sie am liebsten wachgerüttelt hätte und es gab Augenblicke, da hätte ich ihr gern meine helfende Hand angeboten und sie in den Arm genommen.
Margaret McHeyzer hat hier neben Lily auch einige andere wirklich liebenswerte Protagonisten, wie etwa die treue Freundin Shayne und deren Mann Liam oder den stotternden Max geschaffen, aber auch, gleich mehrere, abscheuliche und widerwärtige Monstren.

An dieser Stelle sollte ich wohl langsam mal zum Ende kommen, auch wenn es noch so unendlich viel zu sagen gäbe. Mich hat das Buch tief berührt und stellenweise in meinen Grundfesten erschüttert auch wenn mich in der Regel nix so schnell umhauen kann.

Ich hoffe sehr, das man das Buch vielleicht irgendwann auf Deutsch übersetzt, so das auch hierzulande ganz viele Menschen auf dieses Buch aufmerksam und für Themen wie Häusliche Gewalt sensibilisiert werden.

1 Kommentar:

  1. Das klingt sehr hart, aber auch sehr realistisch und ich denke, dass genau das es ist, was den Leser richtig mitnimmt.
    Ich werde mir das Buch auf jeden Fall auf die WuLi setzen.

    Tolle Rezension, man spürt richtig, wie sehr das Buch unter die Haut geht.

    Liebe Grüße,
    Silke

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